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Autor Thema: Moyzellengründung/Hybridrealisierung  (Gelesen 976 mal)
Vic
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Moyzellengründung/Hybridrealisierung
« am: 12.11.2008, 17:22:06 »

In einem übermäßig dichtbesiedeltem, industrialisiertem, durch Umweltverschmutzung und Bevölkerungsfrust fast zerstörtem Land wie der Blöd Repression Doofistan halte ich die Gründung von Moyzellen für relativ unrealistisch/nicht effektiv. Später dazu mehr. Auch außerhalb Europas sehe ich für die meisten unbegüterten Europäer wenig realistische Chancen.
Auf meinen Reisen durch Europa stieß ich zufällig auf die "Freie Republik Ossola", hier bekam ich zum erstenmal in meinem Leben die sichere Gewissheit daß eine panokratische Realisierung auch in größerem Maßstab möglich ist und daß schon heute/gestern/morgen.
Das Ossola liegt im Nordwesten Italiens an der Grenze zum Tessin und besteht aus mehreren Alpentälern umgeben von Hochgebirgszügen. Die Hauptstadt des Ossola ist Domodossola. Verläßt man den Bahnhof von Domodossola blickt man auf einen Gedenkstein mit der mehrsprachigen Inschrift "wir danken unseren Scweizer Genossen für die Unterstützung im dreißigjährigen Befreiungskampf von 1944 bis 1974", dahinter ein wundervoller Ausblick auf den Gipfel des Monte Rosa, des einzigsten italienischen 4000ers. Selbstverständlich ist das Ossola im faschistischen Italien keine wirklich freie Republik, genießt jedoch regionale Autonomie, ich würd mal sagen so in etwa ein positives Bayern ( dies ist natürlich eine plumpe und grobe Verallgemeinerung - doch wenn Ihr mich jetzt verstehen wollt - dann versteht Ihr mich).
Als 1944 im Rahmen der alliierten Offensive die US-amerikanischen Truppen in Süditalien landeten vertrieben sie die faschistischen Truppen des Duce bis zum Alpenrand, dort bedingt durch die fehlende Infrastruktur wurde es ihnen zu stressig und sie überließen die Sache den Partisanen welche besonders unter der Bevölkerung des Ossola sehr zahlreich waren.
Bedingt durch seine Eingeschlossenheit umgeben von hohen Bergen, die mangelnde Infrastruktur, das fehlen von Arbeitsplätzen begann in den 60er Jahren eine bis heute noch andauernde Landflucht im Ossola und der näheren Umgebung. Moderne Industrie ist so gut wie nicht vorhanden, die Serpentinen der engen Bergpässe sind für den LKW-Güterverkehr auch äußerst ungeeignet. Durch fehlende Industrie, Infrastruktur und die schützenden hohen Berge ist die Gegend von der Umweltbelastung her eine der saubersten in ganz Europa.
Die andauernde Landflucht führte zu einem langfristigen Verfall der Grundstückspreise. In der Gegend leben immer weniger junge Italiener da es sie zu den Arbeitsplätzen in die Städte zieht. Schon seit den 60ziger Jahren siedeln sich immer mehr Aussteiger in dieser Region an. Ich traf hier viele Engländer, Franzosen, Schweizer und Deutsche auf der Suche nach besseren neuen Lebensformen. So hat sich zum beispiel in Cheggio, einem alten Partisanendorf eine Kommune der Rainbowfamily angesiedelt. Das Nachbardorf Bordo ist die größte buddhistische Kommune Europas. Dies sind natürlich nur zwei Beispiele, doch davon gibt es viele.
Die Tier und Pflanzenvielfalt ist sehr mannigfaltig und überwältigend, überall fließt frisches kristallklares Quellwasser aus den Bergen, die einheimische Bevölkerung ist sehr offen und freundlich, ja regelrecht dankbar gegenüber Menschen die bereit sind sich in der gegend anzusiedeln und alte Bergbaauernhöfe/Käsereien und ähnliches zu bewirtschaften und damit vor dem verfall zu bewahren, ich weiß gar nicht wie oft ich mit ihnen "bella ciao" singen mußte.
Diese Region halte ich für hervorragend geeignet zur Moyzellengründung.
Noch ein anderer Gedanke; kein Trupp von völlig verblödeten freien Kameraden/autonomen Nationalisten/nationalen Sozialisten oder wie auch immer sie sich nennen mögen, diese ewig gestrigen Dumpfbacken wird sich die Mühe machen einen dort zu überfallen. Die vorhin erwähnten Ortschaften Cheggio und Bordo besitzen wie die meisten anderen in dieser Region auch heute noch keinerlei Straßenanbindung. Durch das Tal führt eine Straße und von dieser aus geht es nur noch zu Fuß/Esel/Pferd am Berg hoch. Gepäck wird in den meisten Fällen über Einseil-Seilbahnen befördert. Im dichtbesiedelten Deutschland mit seiner ausgeprägten Infrastruktur sehe ich in naher Zukunft eine große Gefahr  von Übergriffen durch hirnlose Schlägertrupps und wie doof kuckt der Panokrat wenn daß was er sich mühseelig aufbaut plötzlich in Flammen steht.
Ich sehe in Hass und blinder Zerstörungswut eine größere Gefahr als im repressiven Eingriff durch die Staatsorgane, außerdem glaube ich daß es sehr vorteilhaft ist eine Moyzelle da zu gründen wo nebenan Platz für eine zweite ist.
Dies soll nur eine kleine Anregung sein und ich würde mich über viele reaktionen darauf freuen.
Vic
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Tobias
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Re: Moyzellengründung/Hybridrealisierung
« Antwort #1 am: 12.11.2008, 18:14:04 »

Stellt sich die Frage, inwieweit eine Moyzelle so weit ab vom Schuß etwas in der restlichen Gesellschaft bewirken kann. Mein Ziel ist es nicht so sehr auszusteigen (auch wenn ich das ab und zu gerne täte und es wohl auch genießen würde), sondern etwas Positives zu bewirken. Allerdings bin ich mir seit einiger Zeit auch nicht so sicher, ob eine Kommune/Moyzelle dahingehend überhaupt der richtige Weg ist, oder ob das nicht schon ein Schritt zuweit ist - im Moment denke ich mehr über Dinge nach wie Parecon (partizipatorische Ökonomie) oder eine "spießige" kleine Firma, die Alltagsdinge wie putzen, einkaufen, Wäsche waschen für die Leute erledigt - wobei mir bei letzterem der Schritt vom Ökologischen ins Sozial verändernde noch nicht klar ist. Ziel sollte es sein, den Nachbarschaftssinn zu stärken ...

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Re: Moyzellengründung/Hybridrealisierung
« Antwort #2 am: 12.11.2008, 18:44:52 »

@ Tobias
Ich halte das für gar nicht so weit ab vom Schuß, in unserer modernen Internetzeit. Habe dort ein Sylvesterfest erlebt mit Gästen aus allen Kontinenten. war für mich das schönste und aufregendste Sylvester meines Lebens. was du sonst schreibst erinnert mich an die Arbeit der Kommune Niederkaufingen. Welche allein von ihrer Personenanzahl her ja schon sehr an eine Moyzelle erinnert.
Mein eigentliches Problem besteht aber tatsächlich in meiner Vorstellung wie sich in den nächsten Jahren die Welt entwickelt. Energieverknappung,Inflation, bürgerkriegsähnliche Zustände, Umweltzerstörung, Kriege.
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Tobias
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Re: Moyzellengründung/Hybridrealisierung
« Antwort #3 am: 14.11.2008, 15:26:04 »

Mit weit ab vom Schuß meinte ich nicht die Distanz zu ähnlich denkenden - die ist heutzutage quasi nirgendwo mehr zu groß, sondern die Distanz zu unbedarften, die sich gerne eines besseren belehren ließen, wenn man ihnen eine Alternative erfolgreich vorführt. Diese Alternative muß aber auf deren Lebensumstände passen und darf nicht in einer idealisierten Welt stattfinden.
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Fitzeblitz
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Re: Moyzellengründung/Hybridrealisierung
« Antwort #4 am: 14.11.2008, 19:48:46 »

Hi Vlc,

Deine Beschreibung von Ossola klingt ja als so, ob Du das inkarnierte Paradies aus Erden gesehen hättest.  Wink
Auf jeden Fall weiß ich jetzt, wo mein nächster Urlaub hin geht. 

Ich bevorzuge aber eine Moyzelle hier in meiner Nähe (ist aber meine rein persönliche Meinung), denn ich habe lange genug im Ausland gelebt, um einerseits andere Kulturen zu respektieren und zu bewundern, aber andererseits auch zu erkennen, wie "heimatverbunden" man selbst ist, ohne es zu wissen. Außerdem glaube ich, dass eine richtige Moyzelle mitten in der Gesellschaft ein sichtbares und nicht wegleugnenbares Vorbild sein wird, mediales Interesse erregt und dadurch viele Nachahmer nach sich zieht.

Meine Lebensaufgabe, meine Familie, meine Freunde und meine Wurzeln sind hier, und ich möchte für mich keine Aussteige-Flucht in irgendwelche blauen Berge machen, zu denen ich keinen persönlichen Bezug habe.

Menschen sind IMHO wie Bäume, sie sollten ihre Wurzeln nicht vergessen, sonst geht ihnen der Saft aus.

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Vic
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Re: Moyzellengründung/Hybridrealisierung
« Antwort #5 am: 19.11.2008, 18:07:10 »

Hi Tobi, Hi Fitzeblitz und alle anderen.
Ist nicht so daß ich eine Moyzelle unbedingt weitab vom Schuß haben will, nur hat mir einerseits die Gegend dort wirklich sehr gut gefallen und andererseits sehe ich in Deutschland eben wirklich viele Probleme. Vieleicht habe ich es mir da gedanklich auch nur etwas leicht gemacht, denn euere Argumente bringen mich doch ins grübeln. Allerdings frage ich mich immer wieder in wie weit die Von mir angesprochenen Gefahren -Umweltverschmutzung z.Bsp. Asse2 radioaktive Lauge im Boden, Gefahr der Überfälle durch rechte Schlägertrupps- Bsp. 1990 kam ich mit anderen Mitbewohnern eines besetzten Hauses in Leipzig-Connewitz von nem Konzert und das Haus war ausgebrannt. Solche Vorfälle habe ich mehrfach erlebt, daß hat sich in mir eingebrannt und für die Zukunft sehe ich eben verstärkt solcherart Bedrohungen. Was ist die panokratische Antwort, wie sieht der Selbstschutz aus? Andererseits wenn etwas wie eine Moyzelle, ganz egal wo, Hauptsache es gefällt mir wirklich meinen Weg kreuzt, bin ich wahrscheinlich sofort Feuer und Flamme.
Fitz  ich wünsch Dir dann schon mal nen schönen Urlaub, an was paradiesisches dachte ich auch als ich da war und tatsächlich gibt es im Südossola einen Naturpark mit dem Namen "Grand Paradiso".
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